Übertritt ohne Überdruck

Buntstife im JaS-Büro, Foto: Melanie Nyirö
Bildrechte Melanie Nyirö

Übertritt ohne Überdruck – Warum unsere Viertklässler mehr Gelassenheit brauchen


Wenn in Bayern die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen ihre Übertrittszeugnisse erhalten, herrscht in vielen Familien Aufregung, Anspannung – manchmal sogar Angst. Werden die Noten reichen fürs Gymnasium? Wie sind die Chancen auf der Realschule oder der Mittelschule?

Eltern wollen das Beste für ihr Kind.
Doch oft wird vergessen, dass „das Beste“ nicht immer das mit den besten Noten ist.
Die Jugendsozialarbeiterinnen an Grundschulen im Landkreis Lichtenfels erleben, wie sehr Kinder unter dem Leistungsdruck im Übertrittsjahr leiden. "Manche schlafen schlecht, andere verlieren die Freude am Lernen oder zweifeln an sich selbst" berichtet Melanie Nyirö, die JaSlerin der Johann-Puppert-Grundschule in Michelau. „Natürlich spielt Bildung eine zentrale Rolle, aber die Kinder brauchen Vertrauen in sich selbst statt Druck“, meint die Sozialpädagogin. Denn nicht nur die Noten sind ausschlaggebend für den Übergang in eine höhere Schulart, sondern ebenso die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder sowie die Lernmotivation.
Ein Kind, das in der vierten Klasse noch Zeit braucht, kann auf der Mittelschule oder Realschule genauso erfolgreich und glücklich werden wie ein anderes Kind auf dem Gymnasium. Später stehen ohnehin viele Wege offen – über Mittlere Reife, Berufsoberschule, Fachoberschule oder duale Ausbildung.
Der Bildungsweg ist längst kein Einbahnstraßenmodell mehr.
„Gegensätzliche Einschätzungen über Leistungen oder mögliche Schulwege können Kinder verunsichern und überfordern. Häufig sind es nicht nur die schulischen Anforderungen selbst, die belasten, sondern vor allem die Vielzahl gut gemeinter Ratschläge, Hinweise oder Vergleiche aus dem Umfeld“, erklärt die Jugendsozialarbeiterin der Albert-Blankertz-Grundschule in Redwitz, Sibylle Klecker. Sie hält keinen schulischen Weg für besser oder schlechter, sondern sieht als entscheidend an, dass der schulische Weg zum Kind passt.
Kinder sollten ihren Selbstwert nicht über Noten definieren.
Die Fachkräfte sind sich darüber einig, dass Eltern ihr Kind in der Zeit vor dem Übertritt besonders unterstützen können, indem sie Interesse zeigen, zuhören und ermutigen – nicht kontrollieren und vergleichen. Lob für Anstrengung, nicht nur für Ergebnisse, stärkt das Selbstvertrauen. Kinder spüren, wenn sie geliebt und angenommen werden, ganz unabhängig von Zensuren. Claudia Lang, Jaslerin an der St. Katharina-Förderschule nennt als wünschenswerten Ausblick, dass die Kinder gestärkt und selbstbewusst an der neuen Schule ankommen. Deshalb versucht auch die Jugendsozialarbeiterin der Dr. Roßbach-Grundschule in Lichtenfels, Kathrin Völk, in der Elternberatung einen positiven Blick auf die neue Schule zu finden und Vorurteile abzubauen, schließlich ist den meisten Eltern einfach wichtig, dass ihre Kinder zufrieden und glücklich sind – unabhängig von der schulischen Laufbahn.
Das Angebot der Jugendsozialarbeit an Schulen existiert an mehreren Schulen im Landkreis Lichtenfels und ist für Eltern, Schülerinnen und Schüler kostenlos und freiwillig nutzbar.